Gebäude Energiewende

Nachwendebesonderheiten: Private Gebäudesanierung in Brandenburg

Die Entscheidung von Eigentümer/innen energetische Sanierungen vorzunehmen, hängt unter anderem von der erwarteten Nutzungsperspektive des Gebäudes ab. Das Projekt „Gebäude-Energiewende“ geht von der These aus, dass regionale Wachstumsdynamiken die Sanierung mit beeinflussen. Der vorliegende Arbeitsbericht stellt die zentralen Ergebnisse einer vergleichenden Auswertung von Daten zu Wohngebäuden in zwei Untersuchungsregionen im Land Brandenburg vor. Der Bericht zeigt, dass die Unterschiede zwischen den Regionen eher gering und nicht so wie erwartet prägnant sind. Jedoch bestehen im Vergleich zu Gesamtdeutschland in den letzten zwanzig Jahren erhebliche Unterschiede bezüglich der Sanierungsaktivitäten und -tiefe. Der Einfluss der Unterschiede in Wirtschaft und Demografie zwischen der schrumpfenden und der wachsenden Untersuchungsregion ist demnach durch Nachwendebesonderheiten – hoher Bedarf an und hohe Motivation zur Modernisierung in den 90er Jahren – überlagert.  

Regionale Unterschiede überraschend gering

Das Projekt "Gebäude-Energiewende" nimmt Wohngebäude im Eigentum von Privatpersonen in den Blick, da diese zum einen zahlenmäßig überwiegen und zum anderen, weil private Eigentümer/innen in Bezug auf energetische Sanierungsentscheidungen spezifische Hemmnisse wie Kreditfähigkeit, Zugang zu relevanten Informationen oder individuelle Ängste und Zweifel aufweisen.

Die Stadt Potsdam und der umgebende Landkreis Potsdam-Mittelmark (PPM) werden im Projekt als wachsende Region und die Planungsregion Lausitz-Spreewald (LS) als schrumpfende Region untersucht. Obwohl große Unterschiede in den soziodemografischen und regionalökonomischen Indikatoren zwischen den Regionen bestehen, sind die Unterschiede im energetischen Zustand der Gebäude eher gering. Die soziodemografischen und regionalökonomischen Faktoren haben sich in den vergangenen Jahren demnach nicht so wie erwartet in den Sanierungsaktivitäten der Eigentümer/innen widergespiegelt. Dies steht im Widerspruch zu der These, dass in schrumpfenden Regionen weniger energetisch saniert wird als in wachsenden Regionen.

Sanierungsstau in den Nachwendejahren

Aufschlussreich ist ein Blick auf die jährlichen Sanierungsraten einzelner Bauteile. Demnach wurden Ein- und Zweifamilienhäuser (EZFH) in den Untersuchungsregionen vor allem in den Nachwendejahren und nicht wie im bundesweiten Durchschnitt im Zeitraum zwischen 1990 bis 2009 kontinuierlich getätigt. Insbesondere Fenster und Heizungen wurden in den Untersuchungsregionen in den 90ern häufiger ausgetauscht als in den 2000ern und vor allem häufiger als im Bundesdurchschnitt. Folglich entspricht der energetische Zustand der sanierten Gebäude in den Untersuchungsregionen häufig nicht den aktuellen Standards. Dementsprechend sind die Heizenergieverbräuche trotz eines deutlich höheren Anteils vollsanierter Gebäude nicht viel geringer als im Bundesdurchschnitt.

Mit Blick in die Zukunft ist erwähnenswert, dass soziodemografische und -ökonomische Faktoren das Sanierungsgeschehen in den Untersuchungsregionen möglicherweise stärker beeinflussen werden. Daten der Online-Beratungsplattform für Gebäudesanierung co2online zufolge scheint das aktuelle Interesse am Thema Gebäudeenergieffizienz in der wachsenden Region PPM größer zu sein als in der schrumpfenden Region LS. Darüber hinaus sind die in den Nachwendejahren eingebauten Heizungskessel inzwischen in die Jahre gekommen, sodass in den nächsten Jahren erneut eine hohe Austauschrate zu erwarten ist. Um dieses Sanierungsfenster zu nutzen, bedarf es weiterer Anstrengungen auch auf regionaler Ebene, um Beratungs- und Förderangebote vor Ort zu schaffen und bekannt zu machen.


Link zum Arbeitspapier (pdf; 0,89)