Gebäude Energiewende

Befragung von Hausbesitzern: Entscheidung für Sanierung weitgehend unabhängig von regionaler Entwicklungsperspektive

Die regionale wirtschaftliche Entwicklung ist für die Sanierungsentscheidung selbstnutzender Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer wenig bedeutsam. Dies ist das zentrale Ergebnis einer qualitativen Befragung von Gebäudeeigentümer/innen des Projekts Gebäude-Energiewende. Das vom IÖW geleitete und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Projekt hat das Ziel, nachhaltige und auf Akzeptanz geprüfte Sanierungsoptionen für private Hausbesitzer/innen zu entwickeln. In der nun abgeschlossenen Studie „Regionale Differenzen in der Wahrnehmung energetischer Sanierungen“ untersuchten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Einflussfaktoren auf die Sanierungsentscheidungen von 60 privaten Eigentümer/innen von Ein- und Zweifamilienhäusern in zwei Regionen im Land Brandenburg.

Regionalspezifische Nutzungsperspektiven und ihr Einfluss auf die energetische Sanierung

Ob wachsende oder schrumpfende Region, die befragten Eigentümer/innen verfolgen überwiegend Eigennutzungsabsichten mit ihrem Eigentum. Darum sollen die energetischen Sanierungen auch in erster Linie zu einer Aufwertung der verbleibenden Selbstnutzungszeit beitragen. Die Ergebnisse der qualitativen Befragung zeigen außerdem, dass die regionale Situation weniger die grundlegende Frage beeinflusst, ob saniert wird, sondern vielmehr Art und Umfang der Sanierung. So werden die Sanierungsarbeiten in wirtschaftlich schrumpfenden Regionen häufig in Eigenleistung erbracht, meistens als Vor- oder Nachbereitung professioneller Arbeiten. Außerdem laufen die Sanierungen vielfach zögerlicher und Schritt für Schritt ab.

Sanierungsmotivation: Wirtschaftlichkeit, Verschönerung & Modernisierung

Gemein ist beiden befragten Gruppen auch, dass die Aussicht auf Einsparungen bei den Heizkosten ein bedeutender Motivator für Sanierungsarbeiten ist. Sie ergreifen jedoch kaum Maßnahmen um die möglichen Einsparungen zu berechnen. Für sie ist ausreichend, dass die Einsparungen „gefühlt“ wahrnehmbar sind. Aber auch die Steigerung von Funktionalität und Praktikabilität einzelner Bereiche des Hauses, die Erhöhung des Wohnkomforts, die Behebung von Luftzug oder Lärm sowie eine Verschönerung oder Modernisierung sind von großer Bedeutung.

Erfahrungen mit Erneuerbaren Energien in der Wärmeversorgung

In beiden Untersuchungsregionen wurden bereits Erfahrungen mit der Integration von erneuerbaren Energien in die Wärmeversorgung gemacht. Dabei werden meistens Kombinationssysteme aus konventionellen Anlagen und Solarthermieanlage oder Luftwärmepumpen genutzt. Der notwendige Austausch alter Anlagen bietet eine gute Gelegenheit alternative Technologien der Wärmeversorgung umzusetzen. Mit Blick auf die Motive der Eigentümer/innen sind Kosteneinsparungen und die Möglichkeit der autarken Energieversorgung ausschlaggebend.

Energiewende braucht energetische Sanierung

Ein Drittel des Energieverbrauchs in Deutschland wird derzeit genutzt, um Gebäude zu beheizen. Für eine erfolgreiche Energiewende müssen der Energieverbrauch und die damit verbundenen CO2-Emissionen deutlich gesenkt werden. Wichtiger als der Bau von neuen Niedrigenergie-, Passiv- oder „Nullemissionshäusern“ ist es, die über 18 Millionen bestehenden Wohngebäude in privatem Besitz energetisch zu sanieren.
Das Projekt „Gebäude-Energiewende“ untersucht daher regionalspezifische technische, soziale und ökonomische Hemmnisse für die energetische Sanierung. Da davon ausgegangen wurde, dass das Sanierungsverhalten unter anderem von der regionalen Wirtschaftsentwicklung abhängig ist, betrachtet das Projekt zwei Regionen im Land Brandenburg, die sich hinsichtlich ihrer Entwicklung deutlich unterscheiden: Als wachsende Region die Stadt Potsdam und der umgebende Kreis Potsdam-Mittelmark der Planungsregion Havelland-Fläming und als schrumpfende Region die Planungsregion Lausitz-Spreewald.

Das Projektteam

Das Projekt wird vom Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) in Kooperation mit der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg, der RWTH Aachen University, der Beratungsgesellschaft co2online, dem Institut für Wirtschaftsforschung Halle und dem Beratungsunternehmen SEnerCon sowie – als Praxispartner – den Regionalen Planungsgemeinschaften Havelland-Fläming und Lausitz-Spreewald durchgeführt und durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des Förderschwerpunkts Sozialökologische Forschung gefördert.

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Download der Studie (pdf)